Warum Theater für Jugendliche wichtig sind

„In der Pubertät geht es bei Jugendlichen doch eh nur drunter und drüber. Da müsste man eigentlich ein Schild dranhängen: Wegen Umbau vorübergehend geschlossen. Für dieses Publikum zu inszenieren, ist nur verschwendete Zeit.“

Als ein namhafter Intendant meine Frage, warum es in München so wenig Theaterangebote für Jugendliche gibt, mit diesen Worten beantwortete, blieb mir regelrecht die Spucke weg. Eine gesamte Publikumsgruppe derartig über einen Kamm zu scheren und ihnen jegliches Interesse an kulturellem Geschehen abzusprechen, ist ein starkes Stück. Aber der Reihe nach – wie steht es in München denn wirklich um Theaterangebote für Jugendliche?

Wer als Teenager Theater spielen möchte, ist in München recht gut bedient. Viele Theater, wie das Residenztheater, das Volkstheater oder auch private Organisationen, bieten Jugendlichen Möglichkeiten, sich im Spiel auf der Bühne auszuprobieren. Wer als Jugendlicher aber im Publikum sitzen möchte, muss schon etwas länger suchen. Während es einige Theater gibt, die ein explizites Programm für Kinder anbieten, fällt die jugendliche Zielgruppe meist aus dem Rahmen. Eine Ausnahme bietet dabei vor allem die Schauburg am Elisabethplatz, die zu gleichen Teilen für Kinder und Jugendliche ausgerichtet ist. Auch einige Produktionen am Volkstheater, Metropoltheater oder Residenztheater richten sich explizit an Jugendliche. Ansonsten bleibt es Teenagern nur übrig, sich entweder in die Vorstellungen für Kinder zu setzen und dabei unterfordert zu werden oder aber den Vorstellungen für Erwachsene eine Chance zu geben. Wer sich das nicht zutraut, kann einpacken.

An der künftigen Zielgruppe vorbei inszeniert

Vielleicht mag der oben zitierte Intendant sogar ein Stück weit Recht haben – viele Teenager sind in der Pubertät hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Fragen nach der eigenen Identität und einem Platz in der Gesellschaft sind dabei wohl zentraler als die Frage nach dem nächsten Kulturangebot. Doch warum sehen Theatermacher das nicht als Herausforderung? Warum versuchen sie nicht, die Lebenswelten der Jugendlichen in ihren Stücken aufzugreifen – auch wenn das ein wenig schwieriger werden könnte? Denn eines wird bei dieser Lustlosigkeit, sich mit den Lebenswelten von Teenagern auseinanderzusetzen, außer Acht gelassen: die Tatsache, dass es sich dabei um eine zukünftige Zielgruppe handelt. Während sich also die deutsche Theaterlandschaft darüber wundert, dass die Besucherzahlen zurückgehen und die alteingesessenen Abonnenten salopp gesagt früher oder später aussterben, wird das zukünftige Publikum außer Acht gelassen. Und das kann fatale Folgen haben, denn Studien zufolge wird der Grundstein für kulturelles Interesse bereits in der Kindheit oder Jugend gelegt. Das heißt im Klartext: Wer nicht schon als Kind oder Teenager mit Kultur in Berührung kommt, der wird sich auch im Erwachsenenalter seltener dafür interessieren. Und das sollte für Beschäftigte im Kulturbetrieb doch Ansporn genug sein, um die vergessene Zielgruppe endlich in den Fokus zu setzen.

Literatur:

Zentrum für Kulturforschung/Keuchel, Susanne/Larue, Dominic (Hrsg.): Das 2. Jugendkulturbarometer. „Zwischen Xavier Naidoo und Stefan Raab. Köln: ARCult Media, 2012.

 

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