Über das Smartphone ins Theater

Wie das Theater Osnabrück neue Besucher anlocken möchte

Das Theater gehört zu den ältesten Einrichtungen der Welt, überdauerte Jahrtausende und ist in kaum einer Kultur nicht vorhanden – und dennoch haben viele Theaterbetriebe in Deutschland mit schwindenden Besucherzahlen zu kämpfen. Die Gründe dafür sind von verschiedenster Natur: Film, Fernsehen und mittlerweile natürlich auch das Internet und Social Media haben das Theater als kulturellen Mittelpunkt der Massen längst abgelöst. Zudem hat das Theater stets mit dem Vorurteil zu kämpfen, für eine ausschließlich elitäre Zielgruppe zugänglich zu sein. Warum außerdem der Anspruch, Kinder und Jugendliche ans Theater zu locken, niemals außer Acht gelassen werden sollte, wurde in einem anderen Beitrag bereits behandelt. Was aber können Theater tun, um wieder mehr Leute in ihre Häuser zu locken?

Über Instagram ins Theater

Mit dieser Frage beschäftigen sich aktuell auch Studierende der Fachrichtung Media and Interaction Design an der Hochschule Osnabrück. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Stück Doktor Faust, das am 16. Juni 2018 am Theater Osnabrück Premiere feiert, auf innovative Weise zu bewerben und haben sich für dieses Vorhaben für den Socia-Media-Kanal Instagram entschieden. Nun ist es nichts Neues, dass Theater auch auf Instagram vertreten sind und ihre Stücke auf diesem Weg bewerben. Die Studierenden gehen in ihrem Projekt aber einen Schritt weiter: Anstatt den Instagram-Kanal des Theaters zu bespielen, haben sie den drei Hauptcharakteren des Stücks eigene Profile erstellt, in denen diese in waschechter Influencer-Manier ihrer ‚Persönlichkeit‘ freien Lauf lassen können und damit ein Stück weit in die heutige Zeit geholt werden. Die Profile der Figuren des Faust, Mephistopheles und der Herzogin von Parma werden dabei mit Bildern ausgestattet, die zu ihren Eigenschaften passen und von den Studierenden mit großer Sorgfalt erstellt, ausgewählt und bearbeitet werden: Während Faust als nachdenklicher Hipster dargestellt wird, handelt es sich bei Mephistopheles um einen eher düsteren Typen. Die Herzogin von Parma hingegen beschäftigt sich lieber mit den schönen Dingen im Leben und befüllt ihren Feed unter anderem mit Schmuck und Schminke. Die Gesichter der Figuren werden dabei bewusst nicht gezeigt, um die Fantasie der Follower anzuregen und die Spannung für das Theaterstück zu steigern.

Alleine die Logos der einzelnen Instagram-Kanäle zeigen die Liebe zum Detail, die die Studierenden bei der Gestaltung walten lassen. (c) Studierendengruppe MID Osnabrück

Mit dieser Methode, bei der nicht sofort deutlich wird, dass es sich bei den Instagram-Profilen um Figuren eines Theaterstückes handelt, kann eine breitgefächerte Zielgruppe angelockt werden und auf ganz neue Weise neugierig gestimmt werden. Das Theater wird somit in die Lebenswelt vieler jungen Menschen geholt und passt sich ihrem Umgang mit Sozialen Medien an. Das zeigt auch die Gestaltung der Figuren-Profile, die sich an sogenannten Influencern orientieren. Mit diesem kreativen und innovativen Ansatz, sein Repertoire zu bewerben, kann das Theater Osnabrück hoffentlich tatsächlich neue Besucher gewinnen, in jedem Fall aber in einem weiten Radius auf sich und sein Angebot aufmerksam machen. Und wer weiß – vielleicht lassen sich davon ja auch andere Kultureinrichtungen zu einem mutigen und kreativen Umgang mit Social Media inspirieren.

 

Die Instagram-Profile:

Doktor Faust

Mephistopheles

Die Herzogin von Parma

 

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