Intelligent, vernetzt und schöpferisch – die KI-Trends für die Kulturwelt

Pünktlich zum Start in das neue Jahr gibt es einige spannende Trends aus dem Technologie-Bereich zu beobachten, welche für die Kulturbranche interessant und relevant werden dürften. Aktuellkulturell hat hier einige Prognosen aus der Tech-Welt durchforstet – und die Künstliche Intelligenz (kurz KI) prägt im Rahmen der weiteren Entwicklung alle Prognosen auf markante Art und Weise. Somit widmet sich dieser Blogpost in einer kurzen Rundumschau hinsichtlich diesem bereits viel diskutierten Thema und nimmt sich aktuellen, zukunftsweisenden Entwicklungen an. Denn im Zeitalter der Digitalisierung sind die bedeutsamen Entwicklungen der Technologie für alle gesellschaftlichen Felder relevant – so auch für Museen, Kunst- und Kulturinstitutionen. Denn nur up-to-date sein reicht nicht immer aus – also hier ein kleiner Blick in die (intelligente) Zukunft des anstehenden Jahres 2019!

Künstliche Intelligenzen im Kulturbereich?!
Bildquelle: Pixabay, Nachbearbeitung von Anja Gebauer

Verbreitung der KI durch die Cloud

Dass auch für das kommende Jahr KI eine wichtige Rolle spielen und ein beliebtes Schlagwort für Debatten sein wird, ist obsolet. Dennoch lohnt es sich, genau hinzusehen, um sich positionieren zu können und Potentiale zu nutzen.

In diesem Blog berichtete Anja Gebauer bereits darüber, wie Künstliche Intelligenz (IBM Watson) als Chatbot-System zur musealen Vermittlung genutzt wird. Künstliche Intelligenz ist mittlerweile bereits fest in unserer Welt verankert und eine Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema findet zunehmend statt. Nun investiert auch Deutschland Milliarden in die Technologie, so dass mit deren Integration in verschiedenste Bereich gerechnet werden kann. Dabei nennt Deloitte besonders Cloud-basierte KI als Katalysator zur Verwendung und Integration der Künstlichen Intelligenz. Dabei können kleine Unternehmen – und vielleicht auch Kulturinstitutionen – einfach und unkompliziert Standardlösungen und Anwendungen Künstlicher Intelligenz für Produkte und Services verwenden.

Doch was ist diese Cloud-basierte KI? Hier kommen einige Beispiele der prominenten Angebote:  Bisher dominiert besonders der Cloud-Computing-Service AWS von Amazon den Markt. Google hält mit TensorFlow dagegen, mit dem Machine-Learning-Software entwickelt werden kann – für eine einfachere Nutzung könnte das Could AutoML sorgen. Einfach nutzbar soll auch „Gluon“ sein – von Microsoft und Amazon gemeinsam zur Entwicklung neuraler Netzwerke angeboten „as easy as building a smartphone app.“

Und was sagt das für den Kulturbereich aus? Dies könnte beispielsweise für Methoden zur Vermittlung, zur Dokumentation, Sammlung und Forschung von Objekten sowie bei der Entwicklung von Applikationen für den Kulturbereich angewandt werden. Von Automatischer Spracherkennung in Vermittlungs-Apps bis hin zur Vorhersage zukünftiger Entwicklungen der Besucherstatistiken ist hier für Kulturinstitutionen eine breite Einsatzmöglichkeit der Angebote von KI möglich. Auch die Analyse und Auswertung von soziodemografischen Werten eines Standortes zum Community Building könnte hier durch KI vorangetrieben werden. Mithilfe von Deep Learning-Systemen können hier große Datenmengen verarbeitet und analysiert sowie Verbindungen herausgearbeitet werden. Dies könnten auch durch Bild- und Objektvergleiche für Kuratoren oder zur Analyse von Besucherbedürfnissen im Zusammenhang mit Ausstellungsgestaltung interessant sein.
Es lassen sich also verschiedenste Einsatzmöglichkeiten von KI festhalten, durch welche die sinnstiftende Arbeit von Kulturinstitutionen systematisiert, geschärft und erweitert werden kann.

GAN – Zwei neuronale Netzwerke der KI schaffen Neues. Bildquelle: Pixabay.com

Schöpferische KI – GAN

Im Zusammenhang mit KI müssen sich Museen, Auktionshäuser, Kuratoren und Künstler nun auch mit der Produktion und Vermarktung von Werken auseinandersetzen, welche mithilfe von oder durch KI erstellt wurden.
Lange Zeit konnte KI vorhandene Daten analysieren, Schemata erstellen und neurale Netzwerke entwickeln. Eine eigene kreative Erschaffung von etwas Neuem war bisher nicht möglich – das „Kopieren“ eines vorhandenen Stils basierend auf großen Datenmengen von Werken eines Künstlers durchaus. Doch durch die GANs wird ein neuer Einsatz möglich, welcher auch oder besonders für die Kulturwelt relevant wird. GAN steht für „generative adversarial networks“ und diese Technologie der KI steht hinter dem Kunstwerk, welches in einer Auktion bei Christie´s versteigert wurde – für mehr Geld als vermutet.

Doch wie funktioniert das Ganze und was ist neu daran? Das Geheimnis der GANs besteht im Zusammenspiel der beiden neuralen Netzwerke. Diese neuralen Netzwerke kann man sich als vereinfachte Modelle des menschlichen Gehirns vorstellen. Diese beiden Netzwerke werden mit den gleichen Datenset „gefüttert“ und darauf trainiert. Doch jedes Netzwerk bekommt eine andere Aufgabe, welches eines zum „generator“ und eines zum „discriminator“ macht. Der Generator schafft „künstlerische“ Ausdrucksformen, beispielsweise Bilder, Schriften, Videos, Stimmen etc. – basierend auf dem bereits bekanntem Datenmaterial. Soweit noch nichts Neues. Doch dann kommt der Diskriminator ins Spiel. Dieser bekommt die Aufgabe festzustellen, ob die Produkte des Generators dem ihm bekannten Datenset ähneln oder vom Generator produzierte, unrealistische Fakes sind. Falls letzteres der Fall ist, muss der Generator ein neues Beispiel entwickeln. Über die Zeit wird der Generator so auf das Entwickeln von realistischen oder authentischen Fakes trainiert, welche der Diskriminator nicht mehr als solche ausmachen kann. Der Output ist also in der gegebenen Kategorie realistisch und zugleich etwas Neues, welche über die reine Kombination vorhandener Daten hinausgeht. Ein ausführlicherer Bericht über die Technologie ist beispielsweise hier zu finden.
Selbstverständlich ist diese relativ junge Technologie noch in der Entwicklung und nicht von Limitierungen und Fehlern gefeit – doch zeichnet sie sich bereits als mächtiges und zugleich herausforderndes Instrument ab. Auch die Diskussion im Zusammenhang mit der Frage, ob KIs Kunst und wahrhaft Neues schaffen können, dürfte weiterhin spannend bleiben. Prof. Dr. Paul Lukowicz vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sagte im Interview mit Kristin Oswald: „Für mich sind Kultur und Kunst etwas, bei dem Menschen ihren Erfahrungen, Wahrnehmungen und ihrer Gefühlswelt einen Ausdruck verleihen. Eine KI kann die Dinge erschaffen, die ähnlich sind, aber Kunst ist die Umsetzung menschlichen Empfindens und menschlicher Wahrnehmung in bestimmte Ausdrucksformen und das kann sie nicht ersetzen.“

Insagesamt werden im Zusammenhang mit künstlicher Intellogenz Museen und Kultur- oder Forschungseinrichtungen wie Universitäten extrem gefragt sein. Einerseits stellt sich die Herausforderung einer kreativen, aktiven und verantwortungsvollen Nutzung solcher Technologien. Denn dies sollte nicht nur von Wirtschaftsunternehmen monopolisiert werden. Zugleich sind die Kulturwissenschaften, Forschung oder auch Bildwissenschaften gefragt – denn die Institutionen der Deutungshoheit können hier Sinnstiftung, Bewertungshilfen, Kontextwissen, kritischen Umgang sowie Deutungssicherheit bieten.

Es zeichnet sich also ab, dass die Künstliche Intelligenz weiterhin hinsichtlich verschiedenster „Fähigkeiten“ und Einsatzmöglichkeiten für die Kulturbranche unausweichlich ein Thema bleibt und wird. Herausforderungen und Potentiale halten sich womöglich gleichermaßen die Waage, ein reflektierter und bewusster Umgang mit den Themen und der Technologie muss allerdings geleistet werden.
Wie immer freue ich mich über eine Diskussion oder einen Erfahrungsaustausch in den Kommentaren!

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s