Eine App für Kids! Franziska Koschei mit Anja Gebauer im Interview

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Ein vorläufiger Prototyp der App für Kinder – zur Sammlung Blauer Reiter im Lenbachhaus
„Interaktivität ist ein riesen Punkt – gerade bei Kindern!“

Die Medienkulturwissenschaftlerin Franziska Koschei und die Kunstpädagogin Anja Gebauer im Interview

Kunst auch den kleinsten Besuchern näherbringen. Dieser Aufgabe widmet sich Promotions-studentin Anja Gebauer. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit in der Kunstpädagogik entwickelt die 25-Jährige eine App für Kinder, die durch die Ausstellung „Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus führen soll. Im Interview sprechen Franzi Koschei und Anja Gebauer über Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Projekts und über Chancen digitaler Kulturvermittlung.

FK: Die Entwicklung und Erforschung einer App als Doktorarbeit – wie kam es zu dieser Idee?

AG: Mir ist aufgefallen, dass sehr viele Museen momentan digitale Konzepte entwickeln, aber eigentlich nie wirklich jemand erforscht, was dabei rauskommt. Meistens wird das Projekt beschrieben und vorgestellt, aber kein Museum hat dann wirklich die Kapazität, die Ergebnisse auszuwerten. Das war der Ausgangsgedanke. Die Hinwendung zur mobilen Anwendung erfolgte aufgrund der Zielgruppe. Für Kinder macht es Sinn, wenn sie eine spielerische Anwendung in Form eines Tablets in die Ausstellung mitnehmen können. Auch Funktionen wie malen und zeichnen in der App sind sehr wertvoll.

FK: Gibt es noch weitere Vorteile einer mobilen App, etwa im Vergleich zu einem „konventionellen“ Audioguide?

AG: Die Interaktivität ist enorm im Vergleich zum Audioguide, bei dem du vielleicht noch die ein-zelnen Tracks auswählen kannst. Gerade für Kinder ist die Interaktion jedoch sehr wichtig. Sie sind nicht nur auf rein kognitive Wissensvermittlung aus – wie beispielsweise die 50-Jäh-rige Kunsthistorikerin, die die Ausstellung besucht. Außerdem lässt sich der spielerische An-satz bei einer mobilen Anwendung sehr gut integrieren. Durch Denkspiele betrachten Kinder das Werk ganz bewusst. Die Möglichkeit des digitalen Gestaltens vor dem Original ist auch ein großer Pluspunkt und wird durch mobile Medien erst möglich gemacht. Bisher wurden diese Sachen ausgelagert; vor oder nach dem Ausstellungsbesuch wurde in kunstpädagogi-schen Räumen themenbezogen gemalt oder gestaltet.

FK: Wie machst Du das mit der Softwareentwicklung?

AG: Von Programmierung an sich habe ich keine vertieften Kenntnisse. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern zusammenarbeiten kann. Dort entsteht das Projekt „fabulAPP“ (http://www.fabulapp.de). Das wird eine Art App-Baukasten für digitales Storytelling. Mit diesem Programm werde ich als eine der ersten eine App wirklich konkret umsetzen. Hierfür entnehme ich dem System gewisse Grundbausteine, die ich dann in meine Applikation einbinde. Das Projekt „fabulApp“ bringt somit viele brauchbare Funktionen mit, wobei man natürlich noch alles in ein didakti-sches Konzept einbauen und individuell anpassen muss.

FK: Hast Du schon ein genaues Bild davon, wie deine App aussehen wird?

AG: Es wird auf alle Fälle kein klassisches Menü wie bei anderen Apps geben. Vielmehr sollen Kinder nach einer kurzen Willkommens-Sequenz vier oder fünf Werk-Stationen frei auswählen können. So können sie mit einem beliebigen Bild anfangen, Werke zunächst überspringen oder ganz weglassen. Zu den einzelnen Exponaten werden dann unterschiedliche Aufgaben bereitgestellt. Diese werden aus einer Mischung aus Wissensvermittlung und künstlerischen bzw. spielerischen Aktivitäten bestehen.

FK: Auf welche Probleme bist Du bisher bei der Durchführung des Projektes gestoßen?

AG: Eine große Herausforderung ist die konkrete Konzeption der App. Alles muss ins kleinste Detail durchdacht sein: Was passiert, wenn ich wo draufklicke? Außerdem muss man sich immer vor Augen halten, welche Funktionen wirklich Sinn machen, um sich nicht in Spielereien zu verlieren. Bei der Entwicklung der App mache ich mir deswegen immer wieder bewusst: Was will ich eigentlich erreichen und wie schaffe ich das?

FK: Wird in München bisher genug mit digitalen Möglichkeiten in Bezug auf die Kulturvermittlung gearbeitet?

AG: München ist nicht unbedingt einer der größten Vorreiter, das ist aber nur mein subjektiver Eindruck. Ich glaube aber, dass vieles gerade entsteht. Auch hierfür ist die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern ein großer Stützpunkt. Dort können Kulturschaffende sich beraten lassen und werden bei der Umstellung auf digitale Medien unterstützt. Spannend ist auch die Social Media Nutzung vieler Museen, Theater oder Ausstellungshäuser. Außerdem gibt es Projekte wie die Kulturkonsorten, die regelmäßig in Form eines Kultur-Stammtisches Informationen zur digitalen Vermittlung bereitstellen. Aber so an sich…ist Berlin wohl schon eine größere Nummer im Vergleich zu München. (lacht) In Bezug auf Konferenzen und Ver-anstaltungen ist der Norden von Deutschland einfach besser aufgestellt, wobei auch das in München immer weiter ausgebaut wird.

FK: Fällt es großen Institutionen, wie den Pinakotheken oder dem Deutschen Museum, schwer sich auf die Entwicklung digitaler Angebote einzulassen?

AG: Ich glaube es liegt nicht an der Größe. Das Metropolitan Museum in New York etwa ist auch sehr, sehr groß. Dort gibt es jedoch zahlreiche Abteilungen, die sich nur um das Digitale küm-mern. Der digitale Wandel zieht sich somit durch die ganze Institution durch. Bei uns wird der digitale Bereich häufig den PR-Zuständigen „zugeschoben“, die sich dann beispielsweise zu-sätzlich um die Website kümmern müssen. Ein ganzheitlich struktureller Ausbau, das fehlt bei uns noch häufig.

FK: Was würdest Du dir für München im Bereich des digitalen Ausbaus wünschen?

AG: Mehr Förderung für kulturelle Projekte und einen leichteren Zugang dazu, das fände ich schön. Außerdem wäre mehr Aufmerksamkeit wünschenswert. Trotz eines großen Münch-ner Kreativbereichs, gelangen viele Aktionen nicht an die breite Öffentlichkeit. Super wäre auch eine stärkere Vernetzung der Institutionen untereinander sowie die Öffnung für das Publikum. Zudem würde ich mir mehr Möglichkeiten der Partizipation wünschen und dass man sich in diesem Bereich traut, mutig neue Wege zu gehen.

Text und Interview von Franziska Koschei, 3. FS M.A. Medienkulturwissenschaft
e-Mail: franziska.koschei@aol.com

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4 Gedanken zu “Eine App für Kids! Franziska Koschei mit Anja Gebauer im Interview

  1. Liebe Anja,

    danke für das schöne Interview, das ich gerne gelesen habe. Völlig richtig, darauf zu setzen, dass die Kids intuitiv und mit einer intrinsischen Motivation vorzugehen. Ich bin gespannt, wie die Reise der App weitergeht und welche Erfahrungen du mit den Kids dabei machen kannst. Toll, dass du die fabulApp nutzen kannst. So etwas fehlt auf jeden Fall, dass man – ähnlich wie beim Blog-Theme – sich nicht mehr am Erscheinungsbild abarbeiten muss, wenn es einem doch mehr um das Inhaltliche geht.

    Herzlichst
    Anke

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  2. Das ist wirklich phantastisch. Ich selbst habe 2 Jungs im ipad fähigen Alter und das Thema ist täglich relevant. Interaktivität bei Kindern muss gefördert werden. Auch moderne Kunst oder Kunst im Allgemeinen (auch abstrakte Kunst) spielt bei beiden eine Rolle (da Papa Künstler ist), und kann kann man schon mal verfolgen, was auf dem Online Kunstmarkt so los ist und sich orientieren, ob der Berufswunsch Künstler in Frage kommt. Toller Beitrag, schön und informativ geschrieben. http://www.Inspire-Art.de sagt Danke!

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  3. Vielen Dank für das tolle Interview. Wir haben uns auch für Oktober bei fabulAPP beworben und sind schon sehr gespannt, ob es klappt. Schön zu lesen, dass es einen fruchtbare Zusammenarbeit war.
    Behütete Grüße aus dem Hutmuseum in Lindenberg
    Angelika

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